Welt Krieg Schwejk

Nach dem Roman

„Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek

Darsteller: Nicole Horny

                 Ilja Kamphues

                 Nenad Smigoc

                 Christian März

                 Nedret Cinar


Text + Regie: Ulrich Meckler

Musik: Beate Jatzkowski

Bühne: Geert Joosten, Stefan Gey

Exposé

Die Welt des Schwejk besteht wie die des Wozzek aus oben und unten. S. versucht zu überleben, wenn diese Welt in den Krieg und damit die Unteren aufs Schlacht-Feld geraten. Da die Figur des Schwejk längst über das historisch Besondere zu einer allgemeinen literarischen Figur wie der Quichotte, der Gargantua oder die Beckettschen Wladimirs und Estragons geworden ist, und in dieses Allgemeine ganz verschiedene Besonderheiten je nach Ort und Zeit gelesen werden, lässt sich eher bestimmen, was Schwejk nicht ist: Nichts von Rühmannscher und Muliarscher Gemütlichkeit im Angesicht des Grauens des ersten Weltkriegs. Überhaupt keine bierselige Jovialität. Er ist natürlich nicht blöd, dafür gibt es im Text genügend Hinweise; er stellt sich auch nicht blöd, denn seine Antworten und Geschichten sind „blöd“ nur indem sie nicht in die Logik von Herrschaft und herrschende Ordnung passen und von den Herrschenden und ihren Chargen nicht verstanden werden. Außerhalb dieser blödsinnigen Ordnung haben sie jeden Sinn.  

Der Haseksche Schwejk ist eine vielschichtige Konstruktion, er ist nicht fassbar, er erschöpft sich nicht in den Interpretationen als Verkörperung der apolitischen Volksseele oder des Widerstandes des einfachen Mannes, der sich nicht für die Interessen der Herrschenden oder Ideale umbringen lassen will, nicht als anarchistischer Saboteur und nicht als Kleingewerbler mit angeborenem Egoismus, ausgestattet mit atavistischem Überlebenswillen und der erworbenen Fähigkeit der Verkäufers von gefälschten Hunden und barocken Geschichten: Alle diese Projektionen zerschellen an der prinzipiellen Unerklärlichkeit dieser Kunstfigur. Sie übersteigt in ihrer Vielfalt jede Eindeutigkeit. Sie hat sich gegenüber der Vita Ihres Autors, der sie viele Züge verdankt und der historischen Besonderheit des tschechischen Volkes innerhalb der verrottenden habsburgischen Monarchie, gegenüber ihrer Klassencharakteristik als deklassierter Kleinbürger längst zu einer der großen Figuren der Weltliteratur verselbständigt. Hasek selbst hat sie aus seiner überbordenden Fantasie entbunden und sich nie mehr um sie gekümmert. Oben werden die Chargen des Kriegs und der Herrschenden zwar auch in ihrer Blödheit und Korruption gezeigt, sie haben aber gerade dadurch die Macht, zu vernichten und in den Abgrund zurück zu stoßen: ihre Herrschaft ist durch die Willkür ihrer Dummheit umso unmenschlicher. Denn die Blödheit der Herrschenden ist nicht harmloser, auch wenn sie ausgestellt und entlarvt wird durch die Überlebensversuche des braven Soldaten Schwejk. Die Aussage Haseks wird von uns verschärft und zugespitzt auf die Grausamkeit und Greuel auch schon dieses ersten Weltkriegs, die burlesken Elemente werden zurückgedrängt zugunsten der Groteske.

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